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NEWS | 2021-06-27

Ich habe mal wieder etwas für Euch.
Ein gesundheitlich recht anstrengendes Vierteljahr liegt hinter mir; aber offenbar nicht ohne einen gewissen Erfolg zu verbuchen. Jedenfalls scheint es so, dass ich allmählich meine Demotivation und innere Leere verliere und mich wieder mehr meinem liegengebliebenen Vorhaben, mein Debüt in Ausdruck und stellenweise auch Inhalt zu überarbeiten, widmen kann.
 
Mein eigentliches (geheimes) Ziel ist es nun, »Der steinerne Garten« bis zur Buch Berlin in die Neuauflage zu bringen; allerdings entspricht dieser neuerliche Druckaufbau absolut nicht den Empfehlungen gewisser Weißkittel.
 
Nun… wir werden sehen. Ich freue mich jedenfalls, wenn es jetzt für die nächste Zeit stabil in meinem Kopf bleibt. Die Anzahl meiner Follower*innen ist über diese schwierige Zeit hinweg beinahe durchgängig konstant geblieben. Eine Überraschung für mich, wenn ich ehrlich bin. Dafür möchte ich Danke sagen.
 
Ich habe Euch heute eine bereits überarbeitete – aber noch nicht endkorrigierte/lektorierte Leseprobe der Casino-Szene mitgebracht. Die Dynamik ist weitaus intensiver. Im Grunde schreibe ich das komplette Buch neu. ^^
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Umso erstaunter war er, als sie fünfundvierzig Minuten später vor einem Casino hielten. »Wunderbar. Ist das Ihr Plan?«, fragte er ungläubig, als das Taxi wieder anfuhr und er neben Nathanyel vor den Eingang trat. »Sie wollen ein Casino ausrauben?« Er lachte. »Haben Sie sich auch eine gescheite Fluchtmöglichkeit überlegt?«
Blinzelnd musterte Nathanyel ihn. »Sind Sie sicher, dass Sie Ihre kriminelle Ader hinter sich gelassen haben?«
Riley stutzte. »Das war ein Scherz. Das nennt man Ironie.«
›Du wirst wohl kaum die Absicht haben, eine solche Summe gewinnen zu wollen.‹
»Ah.« Prüfend ließ Nathanyel seinen Blick weiter über Rileys Gesicht wandern. »Tatsächlich. Ja, ich hörte davon.«
›Spinner.‹
Riley schüttelte den Kopf. »Ich spiele nicht.«
»Nein. Ihre Aufgabe ist es auch lediglich, die Jetons einzutauschen.«
Nathanyel beabsichtigte wirklich, das gesamte Geld zu erspielen? Das würde niemals funktionieren. Verblüfft öffnete Riley den Mund, brachte jedoch kein Wort hervor.
»Lassen Sie das. Sie sind kein Fisch.« Nathanyel trat auf die Drehtür zu und verschwand im dahinterliegenden Foyer.
Sichtlich irritiert folgte ihm Riley. Im Innern war es warm und lebhaft. »Sind Ihnen hier nicht zu viele Menschen?«, erkundigte er zweifelnd. Delwyns Worte bezüglich Nathanyels seltsamer Eigenarten waren ihm in den Sinn gekommen.
Nathanyel blieb so abrupt stehen, dass er fast in ihn hineinlief. »Wie kommen Sie auf diese Idee?«
Riley senkte beschämt den Kopf. »Nun … Ihr Bruder meinte…«
»Seien Sie vergewissert, dass ich in der Lage bin, den lärmenden Pulk auszublenden, wenn ich beschäftigt bin«, unterbrach ihn Nathanyel kühl, während er zu Rileys Erstaunen eine Sonnenbrille aus der Innentasche seines Jacketts hervorholte.
Er setzte sie auf, drehte sich auf dem Absatz um und hielt steif auf den Kassenschalter zu, wo er einen nicht unerheblichen Geldbetrag in Spielchips umtauschte. Anschließend steuerte er zielsicher einen der Black-Jack-Tische an. Dort legte er zwei 100-Pfund-Chips in eine freie Box und das Spiel begann.
Riley war unsicher hinter ihm her gestolpert. Er kam sich wie ein Trottel vor, auch, weil er keine Ahnung hatte, was Nathanyel überhaupt vorhatte. Jetzt ließ er seinen Blick langsam durch den Saal wandern und betrachtete all die elegant und teuer gekleideten Männer und Frauen, die sich an den übrigen Spieltischen vergnügten. Seine Hände begannen zu schwitzen. Sah man ihm an, dass er eigentlich nicht in diese Welt gehörte? Dass er vorgab, jemand anderer zu sein, als er in Wirklichkeit war?
Hier und da hatten sich Menschentrauben gebildet, wenn dort entweder ein besonders talentierter Spieler zu beobachten war oder ein Glückspilz ein gutes Händchen hatte. Riley schluckte. Der Gedanke beobachtet und angestarrt zu werden gewann an Präsenz. Widerlich klebte seine Zunge an seinem Gaumen. Er musste etwas trinken. Dingend. Ohne Nathanyel Bescheid zu geben, setzte er sich in Richtung Bar in Bewegung und bestellte sich einen Drink. Er wusste, dass er dies eigentlich nicht tun sollte. Auch wenn er sich besser fühlte, war Alkohol in seinem immer noch recht labilen Allgemeinzustand keine passende Wahl, doch ein guter Whisky würde ihm helfen, den Drang davonzulaufen zu lindern. Er schloss die Augen, führte das Glas an seine Lippen und kippte die Flüssigkeit mit einem Ruck seine ausgedörrte Kehle hinunter. Gespannt spürte er der Hitze nach, die kurzzeitig seinen Gaumen kitzelnd seine Brust erwärmte, um sich dann mit einem wohligen Gefühl in seinem Magen auszubreiten.
›Gut. Beruhige dich, Buchanan.‹
Es wirkte. Er stellte das Glas zurück auf die Theke und begab sich auf den Rückweg. Je näher er dem besagten Black-Jack-Tisch allerdings kam, desto langsamer wurden seine Schritte. Er blinzelte verstört. Hatte er die Orientierung verloren? Woher kamen plötzlich all diese Menschen? Zögernd trat er dichter heran und reckte den Hals, um Nathanyels schwarzen Haarschopf ausfindig zu machen, und entdeckte ihn schließlich genau dort, wo er ihn zurückgelassen hatte.
›Was zur Hölle …‹
Er verstand nicht. Unter leise gemurmelten Entschuldigungen bahnte er sich einen Weg durch die Reihen, bis er endlich unmittelbar hinter Nathanyel zum Stehen kam. Auf Zehenspitzen spähte er neugierig über dessen Schulter und seine Augen weiteten sich bestürzt, sobald er den eindrucksvollen Haufen an Jetons entdeckte, der sich inzwischen in Nathanyels Box angesammelt hatte. Sprachlos sah er zum Croupier hinüber, welcher überaus wachsam seinen Blick erwiderte. Riley versteifte sich und sank zurück auf seine Fersen. Was war hier passiert? Es waren gerade mal zehn Minuten vergangen, wie war es möglich, dass jemand in einer solch kurzen Zeitspanne eine derartige Menge an Geld erspielte? Das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen.
Verstohlen versuchte er, einen Blick in Nathanyels Gesicht zu erhaschen, welches jedoch wie üblich bar jeglicher Regung blieb. Stattdessen beobachtete er, wie Nathanyel sich steif vorbeugte und mit ruhiger Hand seinen Einsatz erneut erhöhte.
Weitere vierzig Minuten vergingen. Schließlich nahm Nathanyel die Sonnenbrille ab und ihre Augen begegneten sich flüchtig. »Nehmen Sie die Jetons«, raunte er, senkte den Kopf und schob sich mit sichtlicher Anspannung durch das Gedränge der Neugierigen.
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Jayden V. Reeves | Der steinerne Garten Bd. 1 | Überarbeitete Auflage 2021
Photo by Joachim Schnürle on Unsplash
 

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