Photo: Marc Schaefer on Unsplash

NEWS | 2020-09-26

Heute mal etwas, was absolut nicht düster ist. ^^
Vor zwei Jahren hat meine Namensvetterin, die Leserin Jay Heckhoff bei meinem 500 Likes Gewinnspiel u.a. gewonnen, eine Rolle in DSsS zu erhalten. Ich hoffe, sie ist erleichtert, dass das elende Warten jetzt bald ein Ende hat. ^^ Die Szene ist nämlich schon genauso lange im Kasten. Sry Jay, for waiting so long.

Hier ein kleiner Ausschnitt:
Er schwenkte herum und stoppte nach wenigen Schritten abrupt, um nicht mit einer jungen Frau auf einem Fahrrad zusammenzustoßen. Mit einem heftigen Tritt bremste sie ab und kam vor ihm zum Stehen. Sie war nicht sehr groß, hatte eine leicht stämmige Figur und schulterlanges, glattes Haar von einem hellen Braun. Hinter einer zierlichen Brille mit einem bläulichen Rand sahen ihn blaue Augen aufmerksam an. »Hallo.« Sie wirkte schüchtern. »Kann ich dir helfen?«

Riley musterte das Rad. Es war ein älteres Damenmodell. In den Speichen des Vorderreifens klemmten kitschige Perlen aus Kunststoff. Mit einem Kopfnicken deutete er zum Haus zurück. »Ich wollte zu Marcus Heckhoff. Aber er scheint nicht zu Hause zu sein.«
»Das ist mein Vater. Er ist auf einer Bürgerversammlung.« Die junge Frau brachte das Rad in einen sicheren Stand und machte sich sogleich daran, die prall gefüllten Taschen vom Gepäckträger zu lösen.
»Soll ich sie dir reintragen? Die sehen schwer aus.« Er ging auf sie zu und blieb stehen, als sie sich überrascht aufrichtete.
»Nun …«, sagte sie zögernd und überlegte, die Skepsis war jetzt unverhohlen auf ihr Gesicht gezeichnet.
Riley zog die Augenbrauen hoch.
›Sie kennt dich nicht, Buchanan. Und du bietest ihr an, die Taschen ins Haus zu tragen. Das ist nicht sehr vertrauenserweckend.‹
»Entschuldige, ich habe mich nicht vorgestellt.« Er hielt ihr die Hand hin. »Ich heiße Riley.«
Ohne auf seine Begrüßungsgeste zu reagieren, musterte sie ihn einmal scheu von oben bis unten, bis er grinste und kapitulierend die Hände hob.
»Und ich bin unbewaffnet.«
Sie lachte. »Also gut«, stimmte sie zu und verlor ein klein wenig von ihrer Befangenheit. Vorsichtig reichte sie ihm die vollere der beiden Taschen über den Sattel hinweg an. »Wenn du mir eine abnehmen könntest, wäre das nett.«
»Klar. Gern.« Riley streckte die Arme aus und nahm die Lebensmittel entgegen. »Hast du auch einen Namen?«
»Man nennt mich Jay.«
»Hallo ›Man nennt mich Jay‹.«
Sie senkte verlegen den Kopf, hängte sich die andere Tasche über die Schulter und schob das Rad unter einen Baum. »Die Tür ist offen. Der erste Raum links ist die Küche.«
Gemeinsam betraten sie das Hausinnere.
»Heckhoff ist kein britischer Name«, meinte Riley, als er den Einkauf sachte auf dem Esstisch abstellte, der mitten im Zimmer stand und eine altmodische Blümchendecke trug. Neugierig sah er sich um. Die Einrichtung der Küche stammte eindeutig aus den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Ein überaus farbenfrohes Muster zierte die handtellergroßen Wandfliesen und die leuchtend rote Arbeitsplatte wies etliche Gebrauchsspuren auf. An der Zimmerdecke hing eine Lampe mit einer kreisrunden Neonröhre, wie sie zur damaligen Zeit modern gewesen war. Dunkler Staub lag auf dem Glas. Vor dem geöffneten Fenster, welches zu beiden Seiten von rot-weiß karierten Vorhängen umsäumt war, flatterten zwei klebrige Insektenfänger im schwachen Luftzug. Ansonsten war der Raum sauber und ordentlich. Ein Schmunzeln stahl sich auf Rileys Gesicht, als ihm bewusst wurde, wie unterschiedlich die drei Küchen waren, die er an diesem Tag zu sehen bekommen hatte.
»Meine Familie kommt aus Deutschland«, erklärte Jay und warf Riley einen flüchtigen Blick zu, während sie sich ihr Haar mit fahrigen Bewegungen zu einem knotenähnlichen Gebilde hochband. »Warte, ich ähm … « Sie zog eine nervöse Grimasse. »Ich räume das eben weg.« Sie griff in eine der Taschen, holte einen Kanister Milch und zwei Pakete Butter hervor und verstaute sie in dem in der Ecke stehenden Kühlschrank, auf dessen Tür etliche bunte Buchstabenmagnete aus Plastik befestigt waren. »Was … was möchtest du von meinem Vater?«, fragte sie und hob zaghaft die Schultern. »Vielleicht … kann ich dir ja auch weiterhelfen?« Es war ihr anzumerken, dass diese beiden Fragen ihr einiges an Mut abgefordert hatten.
›So viele Worte.‹
Ihre Stirn glänzte.
»Ich suche ein Grab«, antwortete Riley.
»Oh, ich glaube, davon haben wir ein paar.« Jay amüsierte sich über ihren kleinen Witz, wurde jedoch sogleich wieder ernst, als sich ihre Blicke trafen. »Tut mir leid, ich … ich wollte nicht geschmacklos sein«, murmelte sie.
Riley lächelte gezwungen. »Schon in Ordnung. Ist nicht gestern passiert.«
›Es fühlt sich nur jeden Tag so an.‹
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© Jayden V. Reeves | Die Scherben seiner Seele Bd. 2

Genießt das Wochenende!

Bye, Jay(den) xxx

Foto: arenkens auf pixabay

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