SPECIAL DAYS | MEIN REGAL VOLLER REGENBÖGEN

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INTERVIEWS | SPECIAL DAYS AUF ›MEIN REGAL VOLLER REGENBÖGEN‹

Yvonne: Hey Jayden, ich freue mich ganz wahnsinnig dich heute bei mir zu Gast zu haben. Ein Interview mit dem Autor führen zu dürfen, den ich seit fast drei Jahren stalke, ist für mich irgendwie strange und ich hoffe, nicht zu sehr in den Fangirl-Modus abzurutschen. ^^
Natürlich kenne ich deine Vita und wahrscheinlich so einige andere auch, um eine Vorstellung wirst du allerdings trotzdem nicht drum rum kommen. Es soll tatsächlich noch Leser geben, die dich noch nicht auf dem Schirm haben. Also … leg mal los.

Jayden: Heya Yvonne, die Freude ist ganz auf meiner Seite. ^^

Schwierig, so eine Vorstellung – bin nicht so der Mann der großen Worte.

Ich bin kein hauptberuflicher Autor, ich arbeite in der funktionellen Entwicklungstherapie mit Kindern und Jugendlichen und habe 2015 recht spontan das Schreiben für mich wiederentdeckt. Das habe ich schon früher getan, auch schon als Kind. Aber das war nicht druckfähig *lol.

Ansonsten lebe ich mit meiner Familie in NRW, ich habe drei Kinder, lebe offen schwul und polyamor und bin seit 2019 das zweite Mal verheiratet. Außerdem lebe ich vegan und stehe seit meinem vierzehnten Lebensjahr auf dem Rollbrett.

Wenn die aktuelle Seuche vorbei ist, ist der Plan zurück nach England zu ziehen, das wollte ich eigentlich schon vorher, aber dann kam das böse C dazwischen.

Yvonne: Du hast die Dilogie ja auch in England angesiedelt. Sind die Handlungsorte zufällig gewählt oder hast du da eine persönliche Bindung dazu?

Jayden: In London habe ich eine ganze Weile gelebt, daher die Bindung. Andere Orte, die drin vorkommen habe ich mal besucht – aber das wars auch schon. Meine Familie ist rund um Bath ansässig.

Yvonne: Du weißt also, wo du deine Leser hinschickst.

Jayden: Das sollte man meinen. ^^ Ich würde es anstrengend finden, Handlungen in Orten spielen zu lassen, die ich selbst nicht kenne. Sicherlich hilft das Internet da inzwischen recht gut weiter; da gibt es viele Möglichkeiten, aber um sich sicher zu sein, ist eine persönliche Kenntnis doch am besten.

Yvonne: Gibt’s zur Queen auch persönliche Erkenntnisse? Du scheinst zu ihr ne gewisse Affinität zu haben, wenn ich mir eine gewisse Szene im Buch so ansehe. *g

Jayden: Äh nein *lol. Allerdings beruhen die amüsanten Teile dieser Szene auf wahren Begebenheiten. Von daher … ja … die Queen und ich waren schon recht intim miteinander unterwegs. *fg

Yvonne: So so … eigene Erfahrungen *lach. Woher nimmst du die restlichen Ideen für deine Bücher?

Jayden: Ich denke, es ist ein Gemisch aus lebhafter Phantasie und realen Erfahrungen. Ich stecke gedanklich eigentlich ständig in einer Geschichte fest, oftmals ohne den Beginn oder das Ende zu kennen. Das ist total weird, es sind manchmal nur Szenen, die mir einfallen, bis hin zu ganzen Dialogen. Möglich, dass ich die dann später nochmal aufgreife.

Aber durch meine Arbeit bekomme ich ja auch sehr viele unterschiedliche Lebensgeschichten erzählt. Damit will ich nicht sagen, dass ich die Erlebnisse meiner Patient*innen zum Besten gebe, aber manches inspiriert selbstverständlich – wie es mit allen Dingen ist, die man so erlebt.

Yvonne: Dann kannst du wahrscheinlich gar nicht sagen, wie lange du den Plot zum Steinernen Garten und dem Folgeband mit dir herumgetragen hast, bis er seinen Weg aufs Papier gefunden hat, oder?

Jayden: Wenn ich ehrlich bin, habe ich ihn gar nicht so wirklich mit mir herumgetragen. Ich muss zwar einigermaßen strukturiert an die Sache herangehen, ein Grundgerüst haben, aber es verändert sich viel, noch während des Schreibens, dass ich meistens vom Plan abweiche. Manche meiner Kolleg*innen sagen dazu, dass die Protagonisten machen, was sie wollen, ich sehe das nicht so. Ich denke, mein Kopf macht, was er will, da ich eben nur eine grobe Vorstellung habe und wenn ich dann schreibe, dann schreibe ich nieder, was ich “sehe”. Ich bin nicht selten überrascht, was dabei rausgekommen ist, wenn ich die Szene beendet habe. Tatsächlich war der zweite Teil, während ich den ersten Band geschrieben habe, noch lange nicht geplant.
Da ich ständig mit dem Kopf in irgendwelchen Szenen stecke, kommen mir die Einfälle, die oftmals eine komplette Veränderung herbeiführen, recht spontan.

Yvonne: Spannend, wie sich das bei dir entwickelt hat und ich bin unendlich froh, dass du deinen Plan, den Garten als Einzelband zu belassen, über den Haufen geworfen hast.

Jayden: Ja, das war eine Entscheidung, die ich nach der letzten Szene getroffen habe. Ich glaube, ich wollte nicht loslassen. Das klassische Problem. 
Aber dennoch hatte ich damals das Gefühl, dass die Geschichte dort erst einmal enden muss.

Yvonne: Ich glaube, deinen Lesern ging es nicht anders nach diesem Ende.

Jayden: Dass sie nicht loslassen wollten?

Yvonne: Dass die Geschichte vorbei ist.

Wenn du an die Zeit zurückdenkst, wie war es eigentlich für dich, als du vor drei Jahren dein erstes eigenes Buch in den Händen gehalten hast und das dann noch dazu so eingeschlagen ist?

Jayden: Das war absolut irre. Ich muss jedoch gestehen, dass mir die Breite der queeren Buchszene ziemlich unbekannt war. Ich habe einfach geschrieben, was ich niederschreiben wollte und ich bin da so ziemlich von meinem eigenen Standpunkt ausgegangen. Erst einmal war also die Faszination, einen Entwurf auch mal beendet zu haben (*lol) überwältigend. Ein Freund meinte dann, dass ich eine Facebook-Seite haben muss und ich war damals gar nicht auf Facebook unterwegs und meinte nur: Waaaas? Warum?! O.O.

Aber ich bin seinem Ratschlag gefolgt. Durch eine Leserin bin ich dann überhaupt erstmal in diese “Kreise” gekommen und war total erstaunt, was hier so passiert. Dass der erste Band so erfolgreich ankommt, hätte ich zu Beginn nie gedacht, da ich mich eben schon eher als Nischenautor in einer Nische bezeichne.

Yvonne: Ich war bis vor ca. 4 Jahren auch absolut jungfräulich, was FB anbelangt und hab mich nur angemeldet, um über die Bücher aus der Nische, wie du sie nennst, auf dem Laufenden zu sein.

Jayden: Dann haben wir ja was gemein. Wobei ich selbstverständlich schon einige Autoren kannte. Aber das sind eigentlich eher Urgesteine.

Yvonne: Ich bin hier mehr oder weniger blind hineingestolpert. Genauso wie ich durch Zufall zu meinem ersten Buch gekommen bin, bei dem Queerness das Kernthema war.
Haben der Hype um den ersten Band und die durchweg positiven Reaktionen auf den diversen Plattformen dich in Hinblick auf „Die Scherben seiner Seele“ recht unter Druck gesetzt?

Jayden: Erst einmal machen sie wahnsinnig stolz. Einen Hype habe ich hingegen persönlich nicht so wirklich beobachten können. ^^ Dramen werden, gleich wie Open- und Sad Ends, nicht präferiert. Das ist bedauerlich – ist aber leider so. Unter Druck gesetzt habe ich mich anschließend in erster Linie selbst. Ich habe immer wieder ein Datum zur Veröffentlichung angepeilt, das so einfach nicht realistisch war. Ich bin krankhafter Perfektionist; ich hätte es daher besser wissen müssen. Ich brauche oftmals ewig, bis ich eine Szene fertiggeschrieben habe. Wenn ich durch die Historie meiner Seite scrolle amüsiere ich mich oftmals, dass ich im Februar diesen Jahres zum Beispiel noch euphorisch verkündet habe, dass es nur noch acht Szenen sind. Der Jubel war groß – gemessen an vielen anderen Autoren bedeutet das, dass ich im Mai spätestens publiziere. Aber nicht bei mir. Ich staune manchmal über die Statusmeldungen meiner Kolleg*innen, die ihre täglich getippte Wortzahl posten. So funktioniere ich aber nicht. Und das musste ich begreifen und akzeptieren lernen und ich war dankbar, als mir meine Leser*innen signalisierten, dass sie die Info meiner täglich getippten Wortzahl gar nicht interessierte und sie sogar langweilte. Ich wusste jedoch ebenso, dass ich mich selbstverständlich verändern werde, wenn ich weiterschreibe. Eine Entwicklung findet zwangsläufig statt – aber dennoch hatte ich Schiss, dass ich für meine Leser*innen qualitätstechnisch nicht an Band 1 anknüpfen werde.

Yvonne: Dafür, dass du es als Drama deklariert hast, finde ich die Zahl der Leser*innen doch beachtlich – wie du schon sagst, queere Dramen sind die Nische in der Nische.
Für mich hat sich das Warten aber auf alle Fälle gelohnt und ich finde den zweiten Teil noch stärker als den ersten.
Und jetzt, nachdem die Dilogie beendet ist, sitzt du wahrscheinlich auf Kohlen, wie das Groß der Leser*innen sie findet. Positives Feedback geht natürlich runter wie Öl, wie gehst du aber mit Kritik um?

Jayden: Danke! ^^ Nun, ich denke, es gibt drei Sorten von Kritik. Kritik schmerzt in erster Linie. Es schmerzt, wenn die Emotionen nicht übermittelt werden konnten, da ich dann meine, ich habe versagt, weil es mir nicht gelungen ist. Es verärgert allerdings, wenn wissentlich überlesen wird, was ich behutsam zwischen den Zeilen versteckt habe und dann Unverständnis signalisiert wird. Dennoch muss ich verstehen lernen, dass nicht jeder den Zugang zu einem solch schwierigen Charakter wie Riley Buchanan findet. Er ist kein typischer Liebling. Er ist aber auch kein typischer Bad Boy. Tatsächlich ist er so authentisch wie er nur sein kann. Jeder von uns hat schon mal blöde Sachen gemacht und sich geschämt. Jeder von uns handelt mal impulsiv und denkt nicht nach und bereut. Riley wurde von manchen sehr missverstanden. Er wurde nicht als naiv (wie ich ihn bezeichne), sondern als schlicht empfunden. Und das schmerzt. Seine Unerfahrenheit hat nämlich nichts mit Dummheit zu tun. Und weil er sich aus den geschilderten Umständen heraus ständig um sich selbst dreht, kommt er kaum mal dazu über den Tellerrand hinauszuschauen. Auch das passiert und ist nachvollziehbar.
Da ich selbst sehr genau lese, wenn ich mir ein Buch vornehme, versuche ich natürlich das, was ich an anderen Geschichten bemängelt habe, selbst besser zu machen. Ich kann nicht mit dem Finger auf andere zeigen und es dann selbst nicht hinbekommen. Wenn mir gesagt wird, dass ich das wider Erwarten nicht geschafft habe, knabbere ich schon daran.
Anders verhält es sich, wenn Kritik konstruktiv ist. Erst einmal will ich mit dem Kopf durch die Wand, aber es ist nicht so, dass ich mich anderen Sichtweisen vollständig verweigere. Ich höre dann schon hin und wenn ich damit konform gehen kann, ohrfeige ich mich selbst, aber die Kritik ist dann berechtigt.
Und dann gibt es noch die Kritik, die an mir abprallt. Das passiert, wenn Dinge bemängelt werden, die in der Geschichte so nicht existent sind und der/die Leser*in tatsächlich falsch gelesen hat – und dies dann auch falsch wiedergibt. Oder wenn Seiten überblättert wurden und man deswegen bestimmte Handlungen nicht nachvollziehen kann. Dann sehe ich das Problem nicht bei mir.

Yvonne: Indem du Riley als schwierig bezeichnest, gibst du mir direkt ne Steilvorlage für eine meiner Notizen.
Vorweg, ich liebe ihn. Er ist sperrig, hat seine Vergangenheit, die ihn beeinflusst, aber er ist gewillt, sich selbst zu reflektieren, um etwas zu ändern.
Gerade zu Anfang des zweiten Bandes ist sein Verhalten aber oftmals irrational, von den psychischen Auswirkungen der Geschehnisse dominiert und ich denke, dass ihn viele in diesen Situationen falsch interpretieren.

Jayden: Ja, oberflächlich betrachtet ist das verständlich – aber ich denke, hier muss man psychisch gesehen etwas tiefer schauen: Tatsächlich gibt es Menschen, die nur so überleben. Nur weil wir mit einem solch rücksichtslosen Verhalten nicht konform gehen, bedeutet es nicht, dass Menschen nicht so agieren, wenn sie schwer traumatisiert sind. Ich habe versucht ein Bild einer solch zerstörten Psyche zu zeichnen. Eine Depression, die aus einem solchen Trauma geboren wurde, ist eine ernstzunehmende Krankheit. Daher ist es schon nachvollziehbar, dass er irrational handelt. Das Buch trägt nicht umsonst diesen Titel und zu Beginn meine persönlichen Worte, die erklären, was es bedeutet, wenn eine Seele in Scherben liegt. Die Denk- und Verhaltensweisen, die gesellschaftlich erwartet werden, sind manchmal nicht mehr existent. Riley befindet sich also in einem Ausnahmezustand. Ein Zustand, der sich nach einer Wendung der Begebenheiten nicht in Luft auflöst, wohl bemerkt.
Denn so einfach läuft das nicht.

Yvonne: Wie du Rileys Werdegang darstellst, ist für mich absolut realistisch und jeder, der sich näher mit dem Thema Depression beschäftigt / beschäftigen muss, wird Züge von Betroffenen in Riley wiederfinden.

Jayden: Ja, allerdings gibt es natürlich auch Leser*innen, die damit eher weniger Berührungspunkte haben. Ich würde mir wünschen, dass sie sich neugierig darauf einlassen, versuchen ihn zu verstehen und seiner Entwicklung eine Chance geben.

Yvonne: Was mich noch interessieren würde … hast du zu Riley oder zu Nate ‘ne intensivere Bindung, oder bedeuten sie dir gleich viel?

Jayden: Riley ist mir sehr ähnlich, Nate ist rein fiktiv. Bedeuten tun sie mir aber tatsächlich gleich viel, so unterschiedlich sie auch sind – obwohl ich den einen von innen kenne und den anderen von außen betrachte. Die Faszination, mit der Riley Nathanyel begegnet, ist ganz die meine.
Es hat aber auch Spaß gemacht in einen so speziellen Charakter wie Nathanyel Pritchard zu schlüpfen und ihn agieren zu lassen.

Yvonne: Nate finde ich auch extrem faszinierend. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes etwas Besonderes. Da du die Geschichte aber ausschließlich aus Rileys Sicht geschrieben hast, stelle ich es mir schwierig vor so einen Charakter aufzubauen/auszuarbeiten, sein Handeln, seine Gedanken ohne eigene Perspektive rüberzubringen. Hast du dazu recherchiert?

Jayden: Nein, nicht wirklich. Mein Wissen beruht auf meinen beruflichen Erfahrungen, allerdings halte ich den Kontakt zu Betroffenen für unerlässlich, da ich auf keinen Fall vollkommen abwegige Reaktionen schreiben möchte und die Betroffenen somit verärgern oder gar verletzen will. Wenn ich mir also unsicher bin, frage ich nach. Mir wurde allerdings versichert, was ich ohnehin schon wusste – nicht jeder Autist gleicht dem anderen. Bei dem einen ist dies denkbar, bei dem anderen wieder was anderes. Sie sind so unterschiedlich, wie es jeder andere Mensch in unserem Umfeld auch ist, gerade weil auch die autistischen Manierismen unterschiedlich stark ausgeprägt sein können.

Yvonne: Im Vorfeld dieses Interviews hatten die Leser*innen die Möglichkeit, eigene Fragen an dich zu stellen. Die, die bis hierhin noch nicht beantwortet wurden, habe ich mal herausgesucht.

Gabi möchte gerne wissen: »Wurdest du für die Figur des Nathanyel durch den Film Rainman inspiriert – besonders die Casino-Szene hat mich daran erinnert.«

Jayden: Nein, gar nicht. Der Raymond in dem besagten Film ist nicht vom Asperger-Syndrom, sondern vom Kanner-Syndrom betroffen, was man allgemein auch als frühkindlichen Autismus bezeichnet. Ebenso ist Raymond ein Savant – also ein Inselbegabter, was bedeutet, dass er Spezialinteressen hat, in denen er brilliert, währenddessen er in anderen Bereichen  deutlich unterdurchschnittlich begabt ist. Menschen, die vom Kanner-Syndrom betroffen sind, sind oftmals nicht in der Lage einen eigenen Haushalt zu führen, geschweige denn so einfache Dinge, wie sich selbst anzuziehen, zu bewerkstelligen. Selbstverständlich gibt es jedoch auch hier Abstufungen in der Schwere der Einschränkungen im autistischen Spektrum. Es gibt auch Betroffene, die können diese Dinge sehr gut schaffen.
Die durchschnittliche menschliche Intelligenz bewegt sich zwischen den Werten 85 – 115. Ab 116 gilt ein Mensch als überdurchschnittlich begabt, ab 130 sprechen wir von einer Hochbegabung. Nathanyel hat einen IQ von 192 – nur um dies mal zu verdeutlichen. Er ist in nahezu jeglichen Bereichen belesen und verarbeitet Informationen unglaublich schnell. Nathanyel ist also – obwohl er durchaus seine Spezialinteressen hat, bei weitem kein Savant. Die Casino Szene ist aus der Idee entstanden, dass ich zum einen wollte, dass er sich maßgeblich an der Beschaffung des Geldes beteiligt, ohne es Riley plump auszuhändigen. Denn so ist Nathanyel nicht gestrickt. Zudem war er zu jenem Zeitpunkt noch nicht vollends davon überzeugt, Riley tatsächlich zu mögen. Zum anderen brauchte ich Szenen, in denen der/die Leser*in ebenso in Faszination ihm gegenüber verfällt, wie es Riley passiert, als er seine Brillanz immer weiter aufdeckt.
Entgegen der Vermutungen einiger Leser*innen möchte ich an dieser Stelle allerdings betonen, dass tatsächlich keiner der Charaktere einem realen oder fiktiven Charakter aus einem Film oder einer Serie nachempfunden wurde.

Gabi: Hast du selbst ein Faible für den Rubik’s Cube? Kannst du ihn lösen?

Jayden: Oh ja, ich mag ihn. Und inzwischen gibt es so unfassbar viele Variationen! Jedoch war ich immer der auf der anderen Seite, der mit leuchtenden Augen zugesehen hat, wenn jemand es schaffte, das Drehpuzzle zu lösen. Die Antwort liegt in der Mathematik. Ein Rubik’s Cube basiert auf dem Lösen von Algorithmen – und ganz ehrlich? Ich war immer eine Niete in Mathematik. Mein Part war da eher die Aufkleber abzuknibbeln und sie schief wieder auf die Felder zu kleben um dann mit hochrotem Kopf zu verkünden, dass ich es endlich vollbracht habe, den Würfel in seine Ausgangposition zurückzustellen *lol.

Gabi: Stammt die Idee zum Cover von dir?

Jayden: Ja, das ist meine. Ich habe da letzten Endes absolut freie Hand, was meine Cover betrifft, was allerdings nicht bedeutet, dass ich keine verbessernden Ratschläge zu hören bekomme. Ursprünglich sollte das Cover vom “Steinernen Garten” nämlich schlicht schwarz sein, wovon mir mein Verleger aber abgeraten hat. Ich habe mich daher auf die Suche nach einem geeigneten Model gemacht, denn es war mir wichtig ein prägnantes Cover zu erschaffen, eines das aus dem gemeinüblichen bunten Allerlei mit einer düsteren Stimmung heraussticht. Das Model war schnell gefunden. Von diesem Kerl existieren glücklicherweise in der Tat nur sehr wenige Bilder und er war perfekt! ^^ Ich wollte unbedingt ein Cover haben, welches bei Teil eins den Titel der Geschichte widerspiegelt und bei Teil zwei in die Provokation übergeht, da genau dies im Roman passiert. Beide Male soll es Nathanyel zeigen, da er derjenige ist, der eine bedeutende Rolle in Rileys Leben einnimmt, um dieses schlussendlich maßgeblich zu verändern.
Mir ist es grundsätzlich wichtig, dass ein Bezug zum Cover besteht – daher wähle ich auch die Bilder zu den veröffentlichten Leseschnipseln immer sehr bewusst aus.

Gabi: Wie motivierst du dich, wenn es mit dem Schreiben nicht so recht laufen will?

Jayden: In erster Linie mit Musik. Zu jeder Szene, die ich geschrieben habe, existiert die passende musikalische Begleitung. Ich brauche die Musik, um mich in die Szene einzufinden, ohne sie fällt es mir deutlich schwerer. Dafür wähle ich vorzugsweise Filmmusik aus, da mich Gesang ablenkt. Die finalen Szenen in dem Schlachthof bei den “Scherben” habe ich unter Jóhann Jóhannssons “Sicario” geschrieben. Grandios! Ohne diese Klänge in meinen Ohren wären die Szenen nicht so geworden, wie sie jetzt dort geschrieben stehen. Musik beeinflusst mich in meinen Empfindungen so stark, dass ich beim Lesen eines Buches keinerlei Musik hören kann.
Manchmal hilft es aber auch rauszugehen und Sport zu treiben. Bei Regen renne ich einfach los in den Wald, bei gutem Wetter schnappe ich mir mein Rollbrett. Sobald ich den Kopf wieder frei habe, habe ich gute Chancen, dass es dann klappt. Wenn dem aber immer noch nicht der Fall ist, kann ich nur warten.

Gabi: Hattest du Teil 2 schon (grob) geplant, als du Teil 1 beendet hattest?

Jayden: Absolut nicht. Die Entscheidung, einen Folgeband zu erstellen, ist tatsächlich erst zwei Tage vor Veröffentlichung gefallen. Da haben wir schnell überall Band 1 hingeschrieben und das Buch auf die Öffentlichkeit losgelassen. Der gesamte Verlauf von Band 2 ist erst während des Schreibens entstanden. Ich hatte keine Ahnung, wo die Reise hingeht, als ich die ersten Szenen geschrieben hatte. Stück für Stück habe ich das dunkle Tuch von der Geschichte gezogen, die Worte in meinen Gedanken gelesen, die Bilder dazu gesehen, mich von ihnen leiten lassen und sie dann niedergeschrieben.

Gabi: Jetzt gerade kann man ja bei Amazon auch anonym Sternchen vergeben, wie stehst du dazu?

Jayden: Ich halte da nicht sehr viel von. Auch, wenn ich der Ansicht bin, dass jede*r Leser*in ganz sicher in der Lage ist, in ein paar wenigen Worten seine Eindrücke und seine Meinung zu schildern, muss ich es natürlich akzeptieren, wenn manche es begrüßen schlichtweg nur Sterne abgeben zu können. Dem Autoren helfen tut dies jedoch nur bedingt. Ich für meinen Teil finde es bedauerlich nicht zu lesen, was gefallen und was nicht gefallen hat. Zweifellos sind wenige Sterne ohne Worte jedoch unbefriedigender, als viele Sterne ohne Worte. Bei Amazon gibt es Käufer*innen die verwechseln die Bewertungsplattform mit der von Ebay. Sie bewerten den Versand und die Verpackung – oder andere Dinge, die irrelevant sind. Wenn also jemand wenige Sterne abgibt, sagt dies noch lange nichts über das Produkt an sich aus. Ich hätte es gut gefunden, wenn Amazon einen Mittelweg gefunden hätte: Alles was mit drei oder weniger Sternen bewertet wird, muss eine schriftliche Erläuterung enthalten. Ich denke, dass diese Vorgehensweise maßgeblich den leider stattfindenden Missbrauch dieser jetzt vereinfachten Bewertungsmöglichkeit erschweren würde.

Gabi: Nimmst du jetzt erstmal eine längere Schreibpause oder hast du schon was Neues im Kopf?

Jayden: Ich werde mich jetzt zunächst mal vorrangig darum kümmern, dass der zweite Band einen guten Start erhält und entsprechend von mir begleitet wird. Erfahrungsgemäß tragen meine Geschichten einen immensen Content mit sich. Ich habe fünf Jahre an meiner Dilogie geschrieben, tatsächlich kann ich sie geistig nicht so einfach ablegen. Leser*innen, denen es beim Lesen der Geschichte ähnlich geht, werden mich verstehen – und auch, dass es bei demjenigen, der diese Geschichte überhaupt erst gesponnen hat, noch etwas intensiver zugeht, was das Loslassen betrifft.
Trotzdem habe ich Ideen, was nun folgen könnte, auch wenn dies erst einzelne Sequenzen und Ideen sind, die in einem Nebel von Worten auftauchen. Es wird dauern, sie zu einem großen Ganzen zusammenzufügen, um den Startknopf des geistigen Filmprojektors drücken zu können. Sollte ich weiterschreiben, wird der nächste Roman in jedem Falle einige autobiografische Begebenheiten behandeln, da ich sie zwingend verarbeiten muss.

Yvonne: Und Andrea hätte gern gewusst, ob die Dilogie autobiographische Komponenten hat? 

Jayden: Ja, Riley ist die hauptsächliche autobiografische Komponente. Er ist einem früheren Ich von mir zu 95 Prozent nachempfunden und natürlich trage ich auch heute noch einige Verhaltensweisen, die dort beschrieben sind, in mir. Inzwischen kann ich mich da recht gut reflektieren. Dann gibt es noch einige Szenen, die ebenfalls ähnlich stattgefunden haben. Sei es die Unterhaltung und Szenerie auf dem schottischen Friedhof im ersten Band oder der Blick in die Baumwipfel im zweiten Band. Eine andere habe ich ja bereits weiter oben erwähnt. ^^

Yvonne: Ich kann es mir nach diesem Fragenmarathon zwar nicht vorstellen, aber gibt es von deiner Seite noch etwas, das du gerne angesprochen hättest?

Jayden: Nope, da passe ich. ^^ Das war sehr umfassend.

Yvonne: Nachdem nun auch das geklärt wäre, muss ich mich noch artig bedankten …
Danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast.
Danke, für die teils sehr persönlichen Einblicke, die du hier gewährt hast.
Und schlussendlich, Danke, für die großartigen Lesestunden, die du mir und deinen Lesern mit deiner Dilogie geschenkt hast.

Jayden: Ohhh, der Dank liegt ganz bei mir. Thx für die Möglichkeit, Yvonne, meine Bücher hier so umfassend vorstellen zu dürfen. Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß an und mit Deinem Blog und ganz viele spannende Bücher. ^^

Interview  auf ›Mein Regal voller Regenbögen‹ am 30. Dezember 2020

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