REZENSION 5 | DER STEINERNE GARTEN BD. 1

BELOVED REVIEWS | LESERSTIMMEN | DER STEINERNE GARTEN BD.1

Mathieu
16. April 2017

»Der Autor sagt über sich selbst, dass es nicht viele Bücher schaffen, ihn so in seinen Bann zu ziehen, dass er sie nicht mehr aus der Hand legen könne, sie immer griffbereit habe. Er sagt, er habe einen hohen Anspruch, was gute Romane betreffe. Und daher habe er einen hohen Anspruch an sich selbst und sei bemüht, diesem gerecht zu werden, um seinen Lesern eine Welt zu schenken, die sie faszinieren werde.

Er hat Wort gehalten.
„Der steinerne Garten“ ist ein Roman, der es in sich hat. Erzählt wird die Begegnung zweier junger Männer, beide Mitte zwanzig, wie sie zunächst unterschiedlicher nicht sein könnten.

Auf der einen Seite ist Riley, der bereits als Teenager eine bewegte Vergangenheit aufzuweisen hat. Das frühe Entfliehen aus einem zerrütteten Elternhaus, ein homophober Vater, harte Drogen, ein Leben auf der Strasse, finanzielle Sorgen und kriminelle Machenschaften machen ihn zu einem impulsiven, aggressiven und emotional introvertierten Menschen. Zwar kann er sein Leben gut reflektieren und er sehnt sich eigentlich nach Stabilität und Liebe in den Beziehungen zu seinen Mitmenschen, dennoch scheitert er immer wieder an seiner Unfähigkeit, sich seiner Umwelt, seinen Freunden, seiner Familie und seiner Freundin gegenüber mitzuteilen.

Auf der anderen Seite steht Nathanyel. Hochintelligent, zwanghaft strukturiert und wortkarg. Nach außen hin strotzt er nur so vor Berechnung und Kaltschnäuzigkeit. Er stammt aus einer reichen, konservativen und, u.a. bedingt durch religiöse Ansichten, auch homophoben Familie. Gleich zu Beginn, als er aus der Psychiatrie entlassen wird und seine Familienmitglieder das ein oder andere über ihn andeuten, ahnt man, dass sich hinter seinen befremdlichen Verhaltensmustern mehr verbergen muss, aber eine ausführliche Auflösung erhält man doch erst am Ende des Buches.

Die zwei Protagonisten treffen eher durch Zufall aufeinander und sind durch ein zunächst befremdliches Arrangement für einige Zeit aneinander gebunden. Die erste gemeinsame Zeit ist geprägt von strengen Regeln, Missachtung, Respektlosigkeit und gegenseitiger Verachtung. Riley und Nathanyel schenken sich hierbei nichts. Dennoch entwickeln die beiden im Verlauf einen gewissen „Draht“ zu einander. Da die Geschichte aus Rileys Sicht erzählt wird, erhält man überwiegend Einblicke in dessen Gedanken, Gefühle und Intentionen, die man zwar nicht immer nachvollziehen kann, die sich aber im Nachhinein durch seine Impulsivität und Nathanyels undurchschaubares und abweisendes Verhalten erklären lassen.
Und darin liegt das Grundproblem der beiden Helden in diesem Drama. Die Unfähigkeit zur Kommunikation. Trotz beginnendem Vertrauen zueinander, trotz Rileys sich langsam entwickelnde Zuneigung zu Nathanyel und der damit verbundenen Erkenntnis der eigenen lange unterdrückten Homosexualität, trotz Nathanyels „linkischer“ Annäherung an Riley sind beide nicht in der Lage, dies dem anderen mitzuteilen. Auf eine unklare Reaktion des einen folgt eine verletzende Antwort des anderen usw., was nicht selten in gegenseitiger körperlicher Gewalt endet und schließlich zu einem Showdown führt, der es in sich hat.

Dieser Roman ist weder eine schlichte Romanze, noch erzählt er einfach nur eine Coming Out Geschichte. Es geht vielmehr um Vertrauen, Freundschaft, Prägung durch Vorurteile im Elternhaus, Befreiung von gesellschaftlichen Normen, Homophobie, Gewalt, Akzeptanz des Andersseins und v.a. um das Erkennen, wer der andere ist. Die Lebensläufe der beiden Protagonisten mögen dabei vielleicht stellenweise ein wenig überzeichnet sein, doch gerade das Extreme der beiden Helden macht die Vielschichtigkeit der Geschichte aus und sorgt für Drama, Krimi und Erotik.

Kurzum: ›Der steinerne Garten‹ ist ein gelungener, sprachlich anspruchsvoller Debutroman. Tiefgründig, großartig aber auch verstörend. Wer sich auf ihn einlässt und in ihn eintaucht, wird einen fesselnden Roman vorfinden.

Man läuft jedoch Gefahr, mit gebrochenem Herzen zurückzubleiben. Und das über Tage.«

© Mathieu auf Amazon am 16. April 2017

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