BLOGGERSTIMMEN 2 | DIE SCHERBEN SEINER SEELE BD. 2

BELOVED REVIEWS | BLOGGERSTIMMEN | DIE SCHERBEN SEINER SEELE BD.2

Mein Regal voller Regenbögen

»Nach einer langen Zeit des Wartens hat Jayden V. Reeves mit „Die Scherben seiner Seele“ nun endlich seine Dilogie über Riley und Nathanyel abgeschlossen. Ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für mich, da mich der erste Band noch lange nach dem Lesen beschäftigt hat und ich seitdem darauf hingefiebert habe, zu erfahren, wie die Geschichte weiter geht.

Der erste Satz:
– Ich wollte nicht hier sein und sie weiß es – auch wenn ich es nicht laut ausgesprochen habe. –

Eine Hülle, angefüllt mit Schuldgefühlen, Selbstvorwürfen und Schmerz, das ist Riley Buchanan seit jenem schicksalshaften Tag im Dezember des vergangenen Jahres. Er ist auf der Flucht – vor sich, vor seiner Vergangenheit und vor den Bildern, die ihr anhaften. Riley lebt ziellos vor sich hin. Um seine innere Stimme, wenn auch nur für kurze Zeit, zum Schweigen zu bringen, greift er auf Altbewährtes zurück. Medikamente und Sex, beides lässt seine Gedanken vorübergehend verstummen. In dem Glauben vollkommen alleine zu sein und von Selbsthass zerfressen blockt er jede wohlwollende Annäherung ab.

– So einfach … es wäre so verdammt einfach.
Gleichzeitig warnte ihn sein Gewissen davor, sich ernsthaft auf Samuel einzulassen. Dieser hatte keine Ahnung, wer er wirklich war. Wie er wirklich war. Er brachte Verderben mit sich. Er hatte den Tod gebracht. Er sollte fair bleiben und Samuel von sich fortstoßen, ehe es zu spät war, doch er tat es nicht. Vielleicht aus diesem Grund, vielleicht aus einem anderen. – (S. 58)

Wie schon in „Der steinerne Garten“ wurde ich auch jetzt wieder ab dem ersten Kapitel in diese wortgewaltige Geschichte hineingesogen. Jayden V. Reeves versteht sich meisterlich darauf Atmosphäre aufzubauen, Bilder und Spannung zu erzeugen und die Leser schonungslos an Rileys Kampf mit sich selbst teilhaben zu lassen.
Manchen mag Rileys Verhalten, gerade zu Beginn, irrational und abweisend erscheinen.

Für mein Empfinden ist er absolut authentisch, denn wer sich, warum auch immer, mit dem Thema Depression eingehender beschäftigt hat, wird Züge von betroffenen Personen in Riley wiederfinden. Er hat seinen Bezug zu sich selbst verloren und projiziert das auf seine Umwelt. Der erfahrene Verlust, das Erlebte erdrücken ihn regelrecht. Lediglich die Rache an einer bestimmten Person ist die Triebfeder, die ihn agieren lässt. Dass sein Vergeltungsversuch auf eine komplette Selbstzerstörung zusteuert ist Riley in diesen Momenten egal. Ihn dabei zu begleiten, wie er Stück für Stück weiter in diese Dunkelheit abrutscht ist aufreibend und verlangte mir so einiges ab.

Die Wende bringt dann eine Perspektive, die Riley für sich vollkommen ausgeschlossen hat, für die es sich aber lohnt wirklich aktiv zu werden. In all der Schwärze finden sich plötzlich Momente, die hoffen lassen. Für mich unglaublich berührend, zeigen sie Riley doch welchen Wert er hat. Die Richtung, in die sich Rileys Leben zum Schluss hin entwickelt, birgt wieder eine Chance auf Normalität. Die Betonung liegt auf Chance, denn was zerbrochen ist, lässt sich nicht so ohne weiteres wieder zusammenfügen. Nach meinem Empfinden auch gut so, eigentlich perfekt, denn eine Erzählung, die das Seelenleben so schonungslos und realistisch thematisiert, würde ein Ende der Rubrik Friede-Freude-Eierkuchen ad absurdum führen.

All jenen, die sich aufgrund der Thematik und deren schonungsloser Umsetzung scheuen, die Dilogie zu lesen, möchte ich sagen: Traut euch!

Für mich hat Jayden V. Reeves nämlich etwas absolut Großartiges geschaffen. Sprachlich ein absoluter Genuss, atmosphärisch dicht, mit vielschichtigen, schwierigen, aber liebenswerten Charakteren, einer Geschichte, die unter die Haut geht und durch ihre Intensität noch lange beschäftigt.

Das Schlussfazit, das ich zum ersten Teil gezogen habe, kann ich nur wiederholen:

„Der steinerne Garten“ und „Die Scherben seiner Seele“ – eine Dilogie, hart, schonungslos, sehr ergreifend und für mich ein All-Time-Favorit, mit der Jayden V. Reeves unter den queeren Veröffentlichungen eindeutig ein Ausrufezeichen gesetzt hat!«

Die Rezension und weitere Informationen sind einzusehen unter
Mein Regal voller Regenbögen.

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