BLOGGERSTIMMEN 1 | DIE SCHERBEN SEINER SEELE BD. 2

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Buchsüchtig

»Noch keinem Buch habe ich so sehr entgegengefiebert, wie diesem. Als ich „Der steinerne Garten“ das erste Mal gelesen habe, riss mich die außergewöhnliche und vielschichtige Sprache des Autors sofort mit und traf mich auch noch, als ich es das dritte Mal las. Auch war meine Reaktion auf das Ende des Buches bei jedem Lesen dieselbe und wird es wohl auch bleiben, wenn ich mich noch weitere Male zwischen den Seiten dieses Buches verliere. Aber nicht nur die Worte von Jayden V. Reeves waren es, die sich bei mir bis auf die Knochen durchfraßen, in erster Linie war es die Handlung, die mich mitriss und auch lange nach dem Beenden des Buches beschäftigte. Sie klang nach und wollte mich nicht gehenlassen. Um so glücklicher war ich, als ich dann endlich „Die Scherben seiner Seele“ anfangen durfte. Und ja, der Zauber des „Gartens“ wurde vom Autor in die „Scherben“ übertragen. Wieder nahm mich die Sprachgewalt gefangen und wieder habe ich mitgelitten, mitgehofft und konnte einfach nicht genug bekommen.

Riley habe ich schon im ersten Band dieser Dilogie geliebt, da er menschlich, sperrig, unbequem und einfach fesselnd ist. Er ist kein Standartcharakter mit ein paar Problemchen, sondern vielmehr eine Figur, die mich wieder in ihren Bann zog, mich wieder dazu brachte mit ihm zu fühlen, mit ihm zu zweifeln und mit ihm zu leiden. Dabei ist er aber weit davon entfernt sich in eine Opferrolle zu begeben, oder gar andere für seine Probleme verantwortlich zu machen. Vielmehr richtet er seinen Blick recht klar nach innen, auf seine Dämonen, die ihn seit dem „Garten“ verfolgen und quälen, da er aus den Geschehnissen die dort beschrieben werden ein Trauma davongetragen hat, welches ihn immer noch in seinen Klauen hält und ihn nicht gehen lässt. Genauso wenig, wie ihn Nathanyel gehen lässt. Er ist immer präsent, da sein Schicksal eng mit jenem von Riley verwoben ist. Rileys Gedanken werden in bestimmten Momenten von Nathanyel beherrscht, und immer wieder schmerzten mich diese Gedankengänge, da sie zeigten, wie präsent Nate noch immer ist, wie wenig seiner Macht über Riley er eingebüßt hat.
Das zeigt sich auch in Rileys Verhalten, dass von einer großen Anspannung geprägt, die sich während des Lesens auf mich übertragen hat und so dafür sorgte, dass ich regelrecht durch die Seiten getrieben wurde. Ich musste mich zwingen langsam zu lesen und nicht durch das Buch zu hasten um nicht zu riskieren, dass mir etwas Wichtiges entgeht. Aber vor allem schmerzte es beim Lesen, da Rileys Selbsthass für mich nur schwer zu ertragen war. Er bestraft sich selbst, in dem er sich Dinge verweigert und nicht in der Lage ist, positives anzunehmen, weil er denkt, dass er sie nicht verdient hätte. Dass er weder Glück noch Geborgenheit verdient hätte. Immer wieder stößt er die Menschen von sich, sobald sich zeigt, dass sie mehr für ihn empfinden. Es tat mir so weh, ihn dabei zu beobachten, wie er sich jedes noch so kleine Glück verweigerte, da er sich als unwürdig ansah. Und gerade er hätte all dies so sehr gebraucht.

In diesem Buch gibt es eine Szene in einem Krematorium, die so intensiv war, dass sie mich zum Weinen brachte. Erinnerungen an Ereignisse aus dem „Steinernen Garten“, Gefühle, all das brach über mich herein und ließ mich völlig fertig zurück. Es ist irre, wie unglaublich intensiv Jayden V. Reeves Gefühle mit Worten ausdrücken kann, und wie stark diese dann in mir nachklingen. 

Über Tage, über Wochen… Ich bin absolut begeistert. Kein Buch, welches in einem alltäglichen Einerlei und seinen konstruierten, künstlich aufgebauschten Dramen, gefallsüchtig vor sich dahinplätschert, sondern eines, dass echt ist, direkt in seiner Sprache, ohne feine Nuancen einzubüßen und dabei trotzdem rotzig, dreckig und fies um sich beißt, aber auch sehr zarte und verletzliche Momente in sich birgt.

Die Probleme Rileys, die im ersten Band thematisiert wurden, ihn unter sich zu begraben drohten und bei weitem nicht gelöst wurden, holen ihn in diesem Buch wieder ein. Als ob er nicht schon genug Ballast mit sich herumtragen würde, ist er gezwungen sich mit ihnen zu befassen, obwohl es keine einfache Lösung geben kann und er vielmehr hilflos dabei zusehen muss, wie ihm mehr und mehr der Boden unter den Füßen weggezogen wird.
Am stärksten zerriss es mich, als etwas absolut unmögliches, unvermutetes und völlig abwegiges passierte. Mir schossen sofort die Tränen in die Augen. Und auch als etwas geschah, dass ich für völlig unmöglich hielt da Grenzen überschritten wurden und die Handlungen trotz allem zum Erfolg führten, einen Menschen retteten, war ich überwältigt. Nicht die Worte die gewechselt wurden waren es die mich berührten, sondern die Handlungen, die ich in diesem Moment für völlig unmöglich gehalten hätte, wenn sie nicht so perfekt den Weg zum Ziel geebnet hätten.
Aber nicht nur an dieser Stelle wurde das Buch hochemotional. Es gibt auch eine Szene mit einem Buch, die unglaublich ergreifend ist. Neben den stark emotionalen Szenen, gab es allerdings auch solche, bei denen sich mir der Magen umdrehte, da sie brutal, ungerecht und lebensverachtend waren, dabei aber die Handlung voranpeitschten. Sie waren wichtig und fügten sich mit ihrer Brutalität auf grausame Art in das Gesamtbild der Geschichte um Riley ein. Mehr als einmal wollte ich zwischen die Seiten greifen um ihn zu retten, und mehr als einmal war es nicht an mir zu handeln.

Man muss sich auf dieses Buch einlassen und ihm Zeit geben, seinen Zauber zu wirken. Vor allem aber sollte man vorher „Der steinerne Garten“ gelesen haben, ohne den ein Verständnis der Ereignisse und Emotionen nicht möglich ist. Abschließend kann ich nur sagen, dass ich dieses Buch wahnsinnig liebe. Es umschmeichelt nicht, sondern fordert. Es biedert sich nicht an, sondern überrollt mit Emotionen, die teilweise nur schwer zu verarbeiten sind. Nach dem „Steinernen Garten“ habe ich einige Wochen gebraucht, um die Geschichte zu verarbeiten, vergessen werde ich sie nie, und auch nach „Die Scherben seiner Seele“ werde ich noch einige Zeit brauchen, bis mich wieder loslässt um sich einen Platz in meinem Inneren zu suchen.
Es gab in diesem Buch so unendlich viele Szenen, die mich emotional gefordert, teilweise überfordert haben. Wenn ein/e Autor*in so etwas schafft, ist es jedesmal wieder ein Wunder für mich. Und ich bin dankbar, dass ich solche Bücher lesen darf. Danke Jayden, für dieses Buch und für den „Garten“, für Nate und Riley und dafür, dass du nicht durch die Seiten hastest, nicht alle Probleme sich einfach in Luft auflösen lässt. Danke dafür, dass du deinen Charakteren Ecken und Kanten gibst, sie nicht verrätst und sie nicht entgegen ihrer Natur handeln müssen. Danke, dass du die „Scherben“ und den „Garten“ geschrieben hast. Zwei Bücher, die ich immer in meinem Herzen tragen werde.«

Diese Rezension und weitere Informationen sind einzusehen unter
Buchsüchtig – Der queere Bücherblog

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