Leseprobe | Die Scherben seiner Seele Bd. 2

Leseprobe | Die Scherben seiner Seele Bd.2

Leseprobe aus ›Die Scherben seiner Seele‹ | Gay Drama | Gay Contemporary

Klappentext:

Fast zehn Monate nach dem schrecklichen Ereignis, welches Riley Buchanans Leben abrupt in ein namenloses dunkles Nichts gestürzt hat, ist dieser nach Irland geflohen, um sich dort mit den nun quälenden Vorwürfen seiner eigenen Schuld auseinanderzusetzen. Doch der junge Mann ist hoch traumatisiert und läuft rasch Gefahr, sich selbst zu verlieren. Schließlich treibt ihn sein Gewissen zu der Entscheidung, dass er die Jagd auf den Mann eröffnen muss, welchem seit jenem Tag nichts als sein blanker Hass entgegenschlägt.

Stück für Stück stiehlt sich Riley daraufhin als verlogene Kopie seiner Selbst in eine ihm fremd gewordene Welt zurück und setzt alles an die Umsetzung eines bitteren Rachefeldzuges, bis er jäh daran erinnert wird, dass ein alter Bekannter noch eine Rechnung mit ihm zu begleichen hat.
Er sieht nur einen Ausweg: Er muss seinem Feind ein letztes Mal entgegentreten und den Kampf zu Ende bringen.

Voraussichtliche VÖ: 2020

Für einen Moment war es beinahe still. Die Vögel schienen in ihrem morgendlichen Gesang innezuhalten und Riley Buchanan verharrte bewegungslos, als er seinen Blick über die unberührte Landschaft gleiten ließ, welche im frühen Morgendunst mit ihren goldgelben Farben ein nahezu vollkommenes Bild natürlicher Schöpfung zeichnete. Ein kühler Wind zerzauste sein Haar, als dieser über seinen Kopf hinweg strich, stetig suchend und niemals ruhend. Am Horizont kündigte ein blasser violetter Streif bereits den neuen Morgen an, doch das Tageslicht kroch nur allmählich über die vor ihm liegende Wiese, um sich schließlich in den Wipfeln einer dicht stehenden Baumgruppe in der Ferne zu verlieren. Das Gras war feucht, die Luft roch herb und erdig.
Riley trat einen Schritt von dem Geländer zurück, vergrub sein Gesicht in seiner Armbeuge und lauschte ein paar wertvollen Sekunden den wenigen Geräuschen, die ihn umgaben. Er hörte den Wind durch das entfernte Blätterwerk rauschen und das vereinzelte Rufen eines Falken, bis ihn das sichere Gefühl beschlich, dass ihm das Bild dieser morgendlichen Schönheit der Natur nicht mehr allein gehörte. Er hob den Kopf und schlug die Augen auf.
Dunkles glänzendes Braun richtete sich auf ihn. Mitten auf der Wiese stand ein Reh. Wachsam und still suchte es seinen Blick. Erinnerungen. Schnee stob auf im kalten Scheinwerferlicht. Rileys Augen begannen zu flackern. Er gab einen unwilligen Ton von sich und fuhr sich über den Mund.
Denk jetzt nicht daran. Das wolltest du bleiben lassen.
Er atmete tief ein und stieß ebenso heftig die Luft wieder aus. Plötzlich schoben sich von hinten warme Hände unter sein Shirt, glitten über seine Hüften und legten sich auf seinen Bauch; die Fingerspitzen wanderten in den Bund seiner Boxershorts und drückten fordernd zu. Riley zuckte zusammen, richtete sich auf und versteifte sich im ersten Moment, doch eine Sekunde später fiel die Anspannung von ihm ab und er ließ es zu, sich von dem Menschen, der hinter ihn getreten war, auffangen zu lassen. Den Kopf zurück gelehnt, beobachtete er, wie das Reh aufgescheucht in langen Sätzen davon sprang und wenig später aus seinem Blickfeld verschwand. Ein schmerzhafter Stich jagte durch seine Brust.
Fort …
»Was machst du denn hier draußen … zu dieser Uhrzeit?«, flüsterte es nahe an seinem Ohr. »Es ist doch viel zu kalt.«
Weiche Lippen schnappten nach seinem Ohrläppchen und sogen es mitsamt des Plugs in das Innere eines warmen Mundes. Riley spürte wie sich Zähne sanft in sein Fleisch gruben; er neigte den Kopf auf die Seite und schloss für einen Moment die Augen. Die Zärtlichkeiten taten gut. Und auch wenn er sie als nicht bedeutsam einzuordnen wusste, wirkten sie wie Balsam auf ihn. Balsam – nach dem seine Seele gierte. »Ich konnte nicht mehr schlafen«, murmelte er.
»Du hättest mich doch wecken können.«
Riley antwortete nicht. Es war nicht neu für ihn, dass er erst spät einschlief und trotzdem bereits in den frühen Morgenstunden wieder erwachte. Seit Monaten kämpfte er gegen eine andauernde Müdigkeit an; die Ausgeburt seiner inneren Leere und ebenso engste Vertraute der Schatten, die ihn Nacht für Nacht einholten … und ihn zu ersticken drohten.
›Ich bring dich um. Heute. Werde ich dich umbringen.‹
Der Mund des anderen wanderte weiter und liebkoste nun die Tätowierung an seinem Hals. »Bleibst du noch zum Frühstück?«

Riley atmete tief ein.
Bleiben …
Das tat er eigentlich nie. Bislang hatten die exzessiven sexuellen Aktivitäten des letzten Vierteljahres jeglichen Anzeichen von Beziehung erfolgreich getrotzt und meist hatte er nicht einmal mehr den Namen des Menschen gewusst, an dessen Körper er sich bedient hatte. Wenig wählerisch, war es ihm gleichgültig gewesen ob Mann oder Frau, jünger oder älter, vergeben oder frei. Um die quälenden Gedanken zu unterbinden, hatte er so einiges getan, was ihm für diesen Zweck hilfreich erschien. Und die meiste Zeit war er dabei erfolgreich gewesen.
Kaum merklich schüttelte er den Kopf. Auch diesmal würde er es nicht tun. Bleiben.
Zuneigung … muss man sich verdienen, Buchanan.
»Komm …« Die Hände auf seinen Hüften drehten ihn und einen Moment später sah er den jungen Mann an, der seinen Blick mit einem gewinnenden Lächeln erwiderte und ihn mit einem sanften Funkeln in den dunklen Augen musterte.
Er schob seine Hand in Rileys und zog ihn in Richtung der offenstehenden Balkontür. »Lass uns wieder reingehen …«
Riley blinzelte. Wieder einmal musste er sich eingestehen, dass er auch den Jackpot-Gewinner der letzten Nacht nicht zu identifizieren wusste. Aber spielte dies eigentlich irgendeine Rolle?
Seine Aufmerksamkeit verweilte nur kurz auf dem Körper des Fremden, der vor ihm in die Knie ging und ihm die Shorts über die kantigen Hüften zog. Mit dem Gesäß gegen eine Kommode gelehnt, wandte er das Gesicht ab, sein Blick stolperte wieder hinaus, suchend und sehnsüchtig. Es war nur ein Gefühl gewesen, als sein Blick den des Tieres erfasst hatte. Eine schlichte Emotion. Aber sie war voller Schmerz gewesen.
Er ließ den Kopf in den Nacken fallen und schloss die Augen, als er die Zunge und die Hitze des Mundes spürte, die sein Geschlecht voller Leidenschaft liebkosten. Zaghaft tauchte er mit den Händen in den Haarschopf vor ihm. Erkundete den Hinterkopf, rieb die weichen Haare zwischen seinen Fingerspitzen. Und wieder geschah es. Wie es jedes Mal geschah. Blond wurde zu schwarz. Und braune Augen zu hellgrauen.
Egal was er auch tat; egal was passierte und egal wie vielen namenlosen Menschen er sich auch hingab … Sie würden niemals einander gehen lassen. Er würde ihn nicht gehen lassen. Hatten zärtliche Gefühle jemals einen Geschmack gehabt? Falls ja, so schien seine Zunge taub geworden zu sein.

© Jayden V. Reeves | Nicht lektoriert

Jugendschutzhinweis: In diesem Buch werden explizite Inhalte von körperlicher Gewalt beschrieben. Zudem werden fiktive erotische Phantasien geschildert. Im realen Leben dürfen Erotik und sexuelle Handlungen jeder Art ausschließlich zwischen gleichberechtigten Partnern im gegenseitigen Einvernehmen stattfinden. Der Inhalt dieses Buches ist für Personen unter 18 Jahren nicht geeignet.


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Bild: terimakasih0 | pixabay.com


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Bild | Credits:
Hintergrund: pixabay | pexels.com
Coverfoto: unsplash.com [Collage]
Covergestaltung: Jayden V. Reeves

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Bild: Annie Spratt | unsplash.com