DER STEINERNE GARTEN BAND 1

DER STEINERNE GARTEN | BAND 1

England, Dezember 2012

Für den 26-jährigen Riley Buchanan scheint es sich zunächst um einen ganz gewöhnlichen ›Nuts-Transport‹ zu handeln, als er am ersten Weihnachtstag spontan zusagt, den emotional unterkühlten Nathanyel Pritchard aus der psychiatrischen Privatklinik Waterbury abzuholen. Unverhofft wird ihm jedoch ein finanziell höchst verlockendes Angebot offeriert und um den langen Schatten seiner wenig ruhmreichen Vergangenheit endlich entfliehen zu können, lässt er sich schließlich auf den merkwürdigen Handel ein.
Naiv stolpert er daraufhin in eine fremde Welt, welche von Routinen, Zwang und Kontrolle dominiert wird, und als Nathanyel schließlich seine wahren Absichten enthüllt, sieht er sich einer Herausforderung gegenüberstehen, die sein Leben recht bald und schonungslos auf den Kopf stellen wird.
Die bewegende Geschichte eines Coming Out inmitten zweier Welten, wie sie unterschiedlicher kaum sein können.

Anmerkung des Verlages:
In diesem Buch werden explizite Inhalte von körperlicher Gewalt beschrieben. Zudem werden fiktive erotische Phantasien geschildert. Im realen Leben dürfen Erotik und sexuelle Handlungen jeder Art ausschließlich zwischen gleichberechtigten Partnern im gegenseitigen Einvernehmen stattfinden. Der Inhalt dieses Buches ist für Personen unter 16 Jahren nicht geeignet.

A C H T U N G
Dieser Roman erfährt aktuell eine vollständige Überarbeitung – stilistisch und inhaltlich. 2021 wird er in neuer Auflage unter anderer ISBN erneut publiziert; die Sprache wird feiner und ausgefeilter sein und an den zweiten Band, welcher fünf Jahre später fertiggestellt wurde, angeglichen sein. Interessenten an der Neuauflage abonnieren bestenfalls den Newsletter, um die Veröffentlichung nicht zu verpassen. 

INFOBOX

Erhältlich als Paperback

Erhältlich als Hardcover

Erhältlich als E-Book

Etwa zwei Wochen später fuhr Riley durch einen lauten Knall abrupt aus dem Schlaf hoch und blinzelte irritiert gegen das grelle Deckenlicht an, welches sein Zimmer urplötzlich durchflutete. Er registrierte vage, dass seine Zimmertür weit offen stand; doch ehe er die Situation auch nur ansatzweise begreifen konnte, bemerkte er erschrocken, dass Nathanyel sich gleich einem Racheengel über ihn beugte und ihn wütend anfunkelte. »Himmel … verrückt?«, murmelte er, sobald er sich wieder gefangen hatte.
Nathanyel richtete sich auf und schnaubte gereizt.
 »Was ist denn los?« Müde rieb Riley sich die vom Schlaf verklebten Augen und gähnte.
»Sie. Haben. Meinen. Saft. Ausgetrunken«, stieß Nathanyel zähneknirschend hervor und streckte ihm provokant eine leere Glasflasche entgegen, auf deren Boden eine kleine gelbe Pfütze verriet, dass es sich bei dem Inhalt mal um Orangensaft gehandelt hatte.
Verstört blinzelte Riley zu ihm hinauf.
Stimmt. Da war was. Ich hatte Durst.
»Es war nichts anderes mehr da«, knurrte er. Musste er wirklich zu nachtschlafender Zeit eine solche Unterhaltung führen?
»Dieses Haus verfügt über einen Wasseranschluss, sollten Sie das noch nicht bemerkt haben!« Nathanyels Lippen begannen zu beben. »Rot! Diese Flasche hatte einen roten Aufkleber! Das war meine Flasche. Und ich sagte Ihnen bereits mehrfach, dass alles, was mit Rot gekennzeichnet ist, für Sie tabu ist! Findet dieser Ausdruck in Ihrem ausgesprochen mangelhaft eloquenten Sprachschatz irgendeine Konnotation, Riley?!«
Riley zog eine abfällige Grimasse. »Reden Sie verständlich, ich bin nicht so klug wie Sie«, grollte er unwirsch.
»Schon bemerkt.« Nathanyel holte aus und schmetterte die Flasche zornig gegen die Wand. Tausende kleine Glassplitter flogen umher und die Saftpfütze hinterließ einen hässlichen Fleck auf der Tapete.
Mit einem Schlag war Riley hellwach. Bestürzt setzte er sich auf. »Scheiße, sind Sie irre? Es war nur Saft!«
»Es war mein Saft! Und ich trinke immer, wenn ich um halb sieben vom Laufen komme, meinen Saft! Jetzt ist es bereits viertel vor sieben und ich habe keinen Saft trinken können, weil Sie anscheinend nicht fähig sind, die schlichte Order zu begreifen, dass die Farbe Rot ein Tabu signalisiert!« 

Nathanyel schloss für einen Moment die Augen und Riley beobachtete beunruhigt, wie sein Gesicht wieder diese merkwürdigen Zuckungen bekam. »Meine Lebensmittel werden heute erst gegen acht Uhr gebracht und mit dieser unüberlegten und äußerst dummen Handlung haben Sie mir den gesamten Tag versaut
Verdammt, jetzt schrei doch nicht so. Ich bin nicht taub!
»Glauben Sie eigentlich an das, was Sie da von sich geben?«, fragte Riley genervt und musterte Nathanyel mit unverhohlenem Zweifel an dessen gesundem Menschenverstand.
Du drehst ja voll ab, Pritchard. Nur weil ich dir deinen Saft ausgetrunken habe. Herrgott! Es ist nur Saft gewesen! Wie kann einem so etwas den ganzen Tag versauen?
Nathanyel strich sich mit zitternden Fingern das dunkle Haar aus dem bleichgewordenen Gesicht. Anschließend starrte er düster auf ihn hinunter. »Wenn Sie heute den allgemeinen Einkauf erledigen, werden Sie mir meine Flasche Orangensaft ersetzen.«
»Jaaa, guuut.« Demonstrativ verdrehte Riley die Augen. »Ich kaufe dir deinen verfickten Saft«, zischte er kaum hörbar und warf sich wieder in die Kissen. Als er jedoch bemerkte, dass Nathanyel auch weiterhin keinerlei Anstalten machte zu gehen, war er nahe daran, seine Beherrschung zu verlieren. »Kann ich jetzt weiter pennen?! Bitte?!«
Im Klartext: Verpiss dich endlich aus meinem Zimmer.
Nathanyel presste die Lippen aufeinander. An der Tür angekommen, blieb er stehen und hämmerte mit der Faust auf den Lichtschalter. »Riley.«
Gereizt fuhr Riley herum. »Was?«
Nathanyels Umriss hob sich dunkel vor der Morgendämmerung ab, welche sich bereits einen Weg durch das Fenster im Hausflur suchte. »Machen Sie das nie wieder«, sagte er eisig. Dann ging er hinaus und knallte die Tür hinter sich zu.
Riley grunzte spöttisch und schüttelte den Kopf. »Was für ein Spinner«, brummte er und ließ sich zurück ins Bett fallen.

© Jayden V. Reeves | Auszug aus der 2021 überarbeiteten Neuauflage 
[Veröffentlichung 2021]

Photo: DGone | Covergestaltung: Jayden V. Reeves

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